Freie Szene

„Achterbahn“ – Borderline trifft Theater und Trialog Darmstadt

„Endlich erreiche ich dich! Mensch, du kannst doch nicht einfach dein Handy abschalten“. Um 2 Uhr nachts erreicht ihre Mitbewohnerin Sophia endlich nach vielen verzweifelten Versuchen. Die ist auf dem Marienplatz in München und weiß gar nicht, was sie da eigentlich will. Vielleicht wieder zurückfahren? Wieder einmal hat sie so etwas einfach so gemacht und keiner versteht es – am wenigsten sie selbst. Diesmal hat sie sich wenigstens nicht verletzt. Noch nicht jedenfalls. Die Mitbewohnerin ist der Situation nicht gewachsen, bereits in der Schule ist keiner mit Sophia klar gekommen und ihre Eltern sind völlig hilflos. Diagnose Borderline. Da landen wir ganz schnell beim Symptom-Bingo. Dabei gibt es aber keine Gewinner…

Das Theaterstück „Achterbahn“ thematisiert Borderline in einer szenischen Collage aus verschiedenen Kunststilen. Es zeigt, wie Betroffene mit ihrer Übersensibilität und Impulsivität zu kämpfen haben. Depressionen einerseits und Aggressivität andererseits – und die Suche nach dem magischen Moment. Konfrontiert mit sich selbst und der Bühne spiegelt sich in der Performance auch die Unfähigkeit der Gesellschaft, damit umzugehen, dass man eben nicht immer nur funktionieren kann.
Im Spätsommer 2019 sind Hans Gunia (Diplom-Psychologe Verhaltenstherapeut, ausgewiesener DBT-Spezialist für Borderline-Persönlichkeitsstörungen, Supervisor) und Wasiliki Waso Koulis, im Projekt zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und das Fundraising auf mich zugekommen und haben mich für Ihre Idee eines Trialog in Darmstadt begeistert. Hier wird ein Begegnungsraum für einen Erfahrungsaustausch zwischen Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten geschaffen.
Ich wurde als Regisseur und Theaterpädagoge für ein künstlerisches Werk angefragt. Das heißt, Hans Gunia hatte die Idee in Darmstadt ein Trialog-Netzwerk zu etablieren und ich durfte mich künstlerisch dem Thema annehmen.
Ich führte Interviews mit Betroffenen, Angehörigen und Psychologen. Benjamin Ting schrieb die Stückfassung und ich entwickelte und inszenierte mit dem Ensemble das Stück Achterbahn – Borderline trifft Theater. Das Ensemble stellte ich selbständig zusammen. Dabei setzte ich bewusst auf nicht reine Schauspieler*innen, sondern wollte das Thema mit unterschiedlichen Kunstsparten behandeln.
Unter dem Dach der theatermacher e.V. trete ich zudem als Teil der Projektleitung auf.
Aufgrund der aktuellen Situation musste die geplante Premiere bereits zweimal verschoben werden. Somit konnte auch der von Hans Gunia initiierte Trialog Darmstadt nicht beginnen.
Am 12. November 2020 stellte sich zumindest das Ensemble von Achterbahn dem Publikum in einer Videokonferenz vor. Es folgte ein szenisches Spiel und Details über die Theaterarbeit. Auch an diesem Abend bekam der Trialog Darmstadt seinen digitalen Auftakt. Mit Fachvorträgen von Hans Gunia und Anja Link (Diplomsozialpädagogin (FH), Leitung Borderline-Trialog Informations- und Kontaktstelle Nürnberg, Freie Mitarbeit Krisendienst Mittelfranken) und einem Austausch für Betroffene, Angehörige, Fachmenschen und weitere Interessierte.

Mehr hierzu auf meinen YouTube-Kanal

Ziel des ganzen Projekts ist es, auch in Darmstadt eine Situation zu schaffen, in der über die künstlerische Arbeit ein gegenseitiges Verständnis und ein konstruktiver Austausch und ein noch besseres Netzwerk entsteht.

Produktionsleitung:
Hans Gunia, Wasiliki Waso Koulis, Kai Schuber-Seel
Ensemble:
Nadia Kramwinkel, Setareh Nori Safidkhani, Franka Bohny, Cristóbal Gonzalez
Regie: Kai Schuber-Seel
Assistenz: Cristóbal Gonzalez
Autor: Benjamin Ting
Bühne, Ausstattung: Anna Lehn
Technik: Frederik Freber

In Kooperation mit theatermacher e.V.

Weitere Informationen unter findet Du hier.

Titel 2020/2021: Achterbahn – Borderline trifft Theater

Thema: Borderline

Kooperationspartner*innen:

theatermacher e.V.
Seekatzstraße 6
64285 Darmstadt

 

Einige Impressionen:


© Copyright Fotos: Michelle Spillner